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Donnerstag, 3. April, 17.30 Uhr, Kino 1
Reihe Aufbruch


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CAJA NEGRA - BLACK BOX

Wie jeden Morgen pflegt die 17-jährige Dorotea ihre 100-jährige Großmutter Eugenia. Sie kämmt ihr Haar, reibt ihre faltige, trockene Haut ein und macht sie für den Tag bereit. Dann radelt sie selbst zur Arbeit in die Wäscherei. Aus dem Gefängnis wird ein Mann entlassen, er wirkt mit seinem ausgezehrten Körper und der knochigen Haut wie ein lebendes Skelett. Einer gespenstischen Marionette gleich läuft Eduardo durch die Straßen von Buenos Aires, dem Männerwohnheim der Heilsarmee entgegen. Eduardo ist der Vater des Mädchens, so erfahren wir später. Sie sucht stumm seine Nähe. Er aber scheint sie zurückzuweisen. Wortlos treffen sie sich mehrfach auf einer Parkbank am Kinderspielplatz. Nach und nach verschwinden die unsichtbaren Barrieren zwischen Vater und Tochter. Zuletzt schafft es Dorotea, ihre Familie für ein Essen zusammen zu bringen. Da ist der Film über die stille Kraft der Liebe, die einen anrührenden Augenblick der Geborgenheit zwischen den drei Generationen schafft, auch schon am Ende. "Es war ein schöner Abend." Als Eduardo dieses Kompliment macht, werden wir Zeuge einer Szene, in der er zum ersten Mal seit langer Zeit über seine Gefühle redet. Da ist nicht mehr von Bedeutung, welche Katastrophen sich irgendwann einmal zwischen diesen drei Menschen zugetragen haben mögen. Sich diese vorzustellen, bleibt der "Black Box" unserer Phantasie überlassen, an die die beredten Bilder des fast wortlosen Films mit der ästhetischen Kraft einer "Arte Povera" appelieren.

"1999 bin ich während langweiliger Vorlesungen durch die Straßen von Buenos Aires gestreift", erzählt der gerade 22-jährige Regisseur Luis Ortega, "da habe ich Eduardo Couget kennen gelernt. Er saß den ganzen Tag teilnahmslos im Park. Bis nachmittags die Heilsarmee wieder aufmachte, wo er wohnte dann saß er dort." Dieser Eduardo Couget, ein seelisch wie körperlich fragiles Persönchen, der im Film sich selber spielt, hat Ortega zu seinem Drehbuch angeregt und irgendwann musste er einfach zu filmen anfangen, die Praxis erschien ihm so viel sinnvoller und lehrreicher als die uninspirierten Unterrichtsstunden. Mit von der Partie: zwei Freunde, die kurzerhand Produzent und Tonassistent/Komponist wurden, eine 100-jährige Frau, die schon immer vom Schauspielern geträumt hatte, und Luis Ortegas Freundin Dolores Fonzi, die schon Fernseh- und kleinere Filmrollen gespielt hatte.

Viele Szenen entwickelten sich spontan, ohne Verstellungskünste. "Dolores Fonzi hat sechs Monate mit der alten Frau zusammengewohnt und sie gepflegt die Liebe, die man im Film sieht, war echt." Das Ergebnis ist eine behutsame, gefühlvolle, oft dokumentarisch wirkende Schilderung, wie das Mädchen sich hingebungsvoll um ihre Oma und ihren eben aus dem Gefängnis entlassenen Vater kümmert und die beiden schließlich zusammenführt, obwohl etwas Unausgesprochenes, im Film nicht Thematisiertes zwischen ihnen steht. (aus: "Die Schönheit der Armut", in Morgenweb 16.11.02)

Spezial Preis der Jury, OCIC Lobende Erwähnung (Mar Del Plata 2002)
Lobende Erwähnung (Mannheim 2002)



Argentinien 2002
83 min, 35mm, OmE

Regie/Buch/Kamera: Luis Ortega
Schnitt: Cesar Custodio
Musik: Leandro Chiappe
© 2003